Wie sich Anbieterversprechen prüfen lassen
Leistungsangaben zu KI-Produkten sind schwer vergleichbar. Einige Prüffragen, die sich ohne technische Spezialkenntnisse stellen lassen.
Wer Technologie einkauft, steht vor einem Bewertungsproblem: Die Anbieterin kennt ihr Produkt, die Käuferin kennt ihren Bedarf, und die Angaben, mit denen geworben wird, verbinden beides selten. Ein paar Prüffragen helfen, ohne selbst Fachperson sein zu müssen.
Woran wurde gemessen?
Leistungsangaben beziehen sich auf eine Messgrundlage. Wenn diese nicht genannt wird, ist die Angabe nicht überprüfbar und damit für eine Entscheidung wertlos. Die Frage lautet nicht, ob eine Zahl beeindruckend ist, sondern woran sie erhoben wurde und ob diese Grundlage dem eigenen Anwendungsfall ähnelt.
Ein System, das auf einer Standardaufgabe überzeugt, muss auf betriebseigenen Daten nicht ebenso abschneiden. Die Differenz zwischen beiden ist genau das Risiko, das eingekauft wird.
Was passiert, wenn es nicht funktioniert?
Jedes System erzeugt Fehler. Die relevante Frage ist, was der Fehler kostet und wer ihn bemerkt. Ein Fehler, der auffällt und korrigiert wird, ist ein Ärgernis. Ein Fehler, der unbemerkt in einen Folgeprozess eingeht, ist ein Schaden.
Anbieter beschreiben bereitwillig den Normalfall. Die aufschlussreichere Frage betrifft den Ausnahmefall: Wie erkennt der Betrieb, dass das System falsch liegt, und wie schnell?
Was kostet der Ausstieg?
Ein Einkaufsentscheid ist auch ein Bindungsentscheid. Daten, Arbeitsabläufe und Schnittstellen richten sich mit der Zeit auf das gewählte System aus. Wer vor dem Einstieg nicht weiss, wie ein Ausstieg aussähe, hat die Kosten des Entscheids nicht vollständig erfasst.
Konkret: In welchem Format liegen die eigenen Daten am Ende vor, und wie viel Arbeit wäre ein Wechsel?
Wer haftet wofür?
Zwischen der Zusicherung einer Funktion und der Haftung für ihr Ausbleiben liegt in Verträgen oft ein erheblicher Abstand. Ein Blick auf diesen Abstand sagt mehr über die Zuversicht der Anbieterin aus als jede Produktbeschreibung.
Der gemeinsame Nenner
Alle vier Fragen zielen auf dasselbe: den Unterschied zwischen dem, was ein System im Vorführfall leistet, und dem, was es im eigenen Betrieb leistet. Dieser Unterschied lässt sich verkleinern, aber nicht wegverhandeln — und er gehört in die Kalkulation, nicht in die Hoffnung.